Hellenthal

Ein ums and´re mal, fahr´n wir nach Hellenthal. Nur, wenn wir benüchtert sind…

Straßenkarten, Routenplaner, Navigationssystem und sonstig geographisch hilfreicher Schnickschnack dürfen urlauben, denn immerhin Konzert Nummer Fünf in der Grenzlandhalle steht an. Die Strecke ist mittlerweile fast zwangsläufig verinnerlicht, das Gewohnheitstier feiert einen weiteren Triumph.

Hellenthal ist sehr speziell, was Berechtigtes zu meckern – mehr oder weniger wichtig – gibt es bis dato bei jeder Exkursion.  Mal sehen, was uns heute noch so erwartet….

Augenfällig bei der Anreise ist ein offensichtlich neu kreiertes Industriedenkmal an einer der in dieser Region üblichen Kreisverkehr Kreiselungen. Eine kleine, zweiachsige Werkslokomotive mit angehängter Kipplore dieselt – zum Glück ihres Personals beraubt – auf einer Art gekrümmten Betonhaifischzahn mit Dr. Best traumatischen Kariesloch nahezu im rechten Winkel gen Himmel.

Ein industriell symbolisch stilisiertes Hoch auf vergangene Zeiten, das Produkt eines bekifften Künstlers oder gar beides? Peterchens Mond(zug)fahrt auf Schmalspurgleisen. (Siehe Bilder)

Wesentlich realer anzusehen die zahlreichen Plakate mit dem Hinweis auf das heutige Konzert, das hoffentlich ebenfalls Ausmaße gen Himmel annimmt.

Die Bühne ist vergrößert, Licht und Klanganlage sind absolut ENKELZ kompatibel, der Sound auf und vor derselben ist einwandfrei. Dank des Soundmixers und Mark, der im Vorfeld ordentlich Dampf bezüglich dieser Ausstattung abgelassen hat…

Absperrgitter vor der Bühne, bei Veranstaltungen dieser Größenordnung normalerweise üblich, sind nicht vorhanden, aber das haben wir hier auch nicht erwartet.

Dafür ist der Backstage Bereich wirklich erstklassig versorgt, sogar warmes Futter und echte Frotteehandtücher lassen einen Hauch ungeahnten Luxus´ aufkommen…

Eines fehlt indes komplett. Das, was schlechthin Sicherheitspersonal oder auch Security genannt wird. Die beauftragte Firma sei einfach nicht gekommen.

Verständlich, die Branche boomt, da kann so ein Auftrag schon mal vergessen werden. Oder die Jungs haben sich verfahren und einfach nur vergessen, abzusagen. Die alternativ angeforderte Firma verläuft sich ebenfalls im Sande. Oh Schande über diese Bande.

Was tun? Einfach mal konsequent knallhart ein Konzert ausfallen lassen um zu demonstrieren dass das Maß langsam voll ist?

 Ginge zu Lasten der Fans, die bereits zahlreich die Halle bevölkern. Das entsprechend zu erwartende, wohl nicht unbedingt positiv ausfallende Szenario will sich keiner so recht vorstellen.

Insofern keine weiteren Theorien, Thesen und Unterstellungen zu dieser unmöglichen, aber definitiv nur einmal vorkommenden Tatsache zwischen eventuell notgedrungener Nonchalance und kaltem Kalkül.

Im Geist vom bereits früher schon erwähnten Zacharias Zorngiebel requiriert der Verfasser dieser Zeilen kurzerhand einige stämmige Burschen aus dem befreundeten Umfeld der ENKELZ, die uns auch heute die Treue halten.

Gegen Freibier und ein paar Präsente wird ein recht ansehnliches Grüppchen von muskulösem Potential mit Hirn für Eventualitäten platziert. Für den Fall der Fälle, denn einmal hat es hier ja bereits ganz gut gescheppert

Heute zum Glück nicht. Im Gegenteil, die Stimmung bei ¾ gefüllter Halle ist ausgesprochen friedlich bis fröhlich, erstklassig und kaum zu steigern.

Lediglich unser Lichttechniker Mark ist geneigt, seine normalerweise kontinuierliche Contenance komplett zu konservieren und anstatt dessen kontraproduktiv zu kotzen.

Ein Teil der Lichtanlage fällt am laufenden Band aus, eine herzallerliebste Sicherung wehrt sich vehement gegen die ihr zugedachte Beanspruchung im durchaus gängigen Rahmen physikalischer Normen. Zuviel wackere, waghalsige Watt, oder was?

Martina, Freundin eines unserer freiwilligen Secus arbeitet während der fast 3 Stunden wagemutig gegen das müpfige Teil an. Hornhaut auf der rechten Zeigefingerkuppe inklusive. Erstklassiger Job, dickes Danke, auch an die Jungs für ihre Bereitschaft.

Die Meute dreht unverdrossen weiterhin mächtig am Rad. Sangeslust gegen Spielfreude heißt der Wettkampf, in dem jeder gewinnt.

Lautstark gefordert werden ausnahmsweise „Wir ham n. l. n. g.“ und Krid, pardon, „Dick & Durstig“. Witzigerweise genau dann, wenn diese Evergreens eh laut Setlist dran sind.

 Da wird doch der normalerweise stets favorisierte „Sombrero in die Meute schmeiß Shuffle“ glatt auf Rang drei verwiesen. Historisch, weil bei den ENKELZ noch nie da gewesen.

Bei mittlerweile Bremer Luftqualität endet das „Buch der Erinnerung“ spontan in einem gigantisch gepflegten Gitarrensolo, das nur als gewaltiges Gewitter in die Erinnerung eingehen kann.

Nach „Mexiko“ folgt noch eine Instrumentalsession der gleichen Gütequalität, bestens geeignet als Erkennungsmelodie für Stahlarbeitergewerkschaften weltweit.

Ebenfalls ein Novum dieser Nacht: Keine/r brüllt „Zugabe“ sondern „Einer geht noch, einer geht noch rein“. Was hat der Mob bloß im Tee gehabt?

Bei den „Guten Freunden“ versprühen die Pyros der Marke Leichtlicht („Light light“) eine spezielle, harmonische Optik passend zur Stimmung.

Von dem Faux Pas mit der Secu und dem Generve mit der renitenten Sicherung mal abgesehen geht die bisher schönste Nacht in Hellenthal zu Ende. Auch dank eines disziplinierten, friedfertigen Publikums in euphorischer Feierlaune.

Im Hellenthaler Hof, unserer heutigen hiesigen Herberge ist erstmalig zur Mittagszeit noch ein gepflegtes Frühstück verfügbar. Es geht also doch.

Vor den Fenstern der traurig marode, aber immer noch dezent vorhandene, romantische Charme einer verfallenen Sekundärbahnanlage typischer Prägung. Bloß nicht abreißen!

Drinnen in der Gasthofstube nach langer Zeit endlich mal wieder ein Raum mit schräg abstrusen Inspirationen anhand eines Sammelsuriums aus allerhand kranken bis kreativen Krimskrams und stoisch starrenden Stofftieren verschiedenster Gattungen.

Hervorhebenswert eine glas/glubschäugige, außerirdische Kreatur mit langen Fühlern auf dem Kopf, die offensichtlich gänzlich ungeniert einem allzu gutgläubigen Stoffschweinchen in den viel zu dicken Bauch zu boxen scheint.

Völlig unpassend zu dieser Steiff Brutaloszene läuft im TV ein durchaus lieblich zu nennendes Interview mit Tokio Hotel. „Sie Proben auf Pro Sieben“ den Rock´n Roll, die Lieben. 

Denn die Eineiigen freuen sich immer, wenn Fans was für sie basteln. Rührend.

Die ENKELZ indes haben keine Zeit für pubertierenden Kuschel“rock“zauber. Sie müssen und wollen noch nach Thüringen, um den Menschen dort die bestellte „böhse“ Rockmusik zu bringen.

Knutzen